Nach Gedenkjahr Ausblick in die Zukunft
Symposium zeigt den Wandel von der Grenzregion zur Zukunftsregion

(21.10.2005) Mit einem wissenschaftlichen Rückblick und mit einem Ausblick auf die Zukunft wurde heute die Reihe der Gedenkveranstaltungen des Landes Steiermark beendet, die aus Anlass von 60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Staatsvertrag und 10 Jahre EU-Mitgliedschaft Österreichs stattfanden. Ein Symposium im Weißen Saal der Grazer Burg zeigte unter dem Titel "Die Neue Steiermark - 1945-2005" einerseits geschichtliche und zeitgeschichtliche Aspekte unseres Landes und die Entwicklung der Beziehungen zu seinen Nachbarn. Andererseits analysierten Praktiker aus der Europaregion Adria-Alpen-Pannonia gegenwärtige und zukunftige Herausforderungen in der interregionalen Zusammenarbeit.

Das Symposium war vom Leiter des Steiermärkischen Landesarchivs, Hon.Prof. Dr Josef Riegler organisiert worden. Wissenschaftlichen Kurzvorträgen skizzierten zu Beginn die bisherige Entwicklung. So stellte Univ.-Doz. Dr. Martin Moll die Beziehungen zwischen der Steiermark und Slowenien im 20. Jahrhundert dar. Landesamtsdirektor Univ.-Prof. Dr. Gerhart Wielinger, der das Symposium auch eröffnet hatte, ging auf die Entwicklung der Steiermark von einer Grenzregion, die schon vor vierzig Jahren erste Brücken zu den Nachbarn hinter dem Eisernen Vorhang schlug, zu einer "Zukunftsregion" ein, die in einem politisch neu geordneten Europa völlig neue Aufgaben habe.
Univ.-Prof. Dr. Anita Ziegerhofer-Prettenthaler schilderte zeitgeschichtliche Aspekte eines EU-ropa zu den Stichworten "Träume und Schäume? Ideen - Realisierung - Zukunftsvisionen." Aus dem Aspekt des Glaubens hielt schließlich Altbischof DDr. Dieter Knall ein steirisches Plädoyer für ein vereintes Europa, das seine Zukunft in einer europäischer Identität finden könnte.
Vielsprachigkeit als zentrales Anliegen der Europaregion Adria-Alpen-Pannonia

Das europaweite Unikat, wonach fünf Sprachen in fünf Nationen im Umkreis einer Tagesreise von der Adria bis Ungarn zusammenarbeiten, stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, an der Experten aus dem Bereich interreginoale Zusammenarbeit aus Italien, Slowenien, Kroatien und Österreich teilnahmen. Als wichtigstes gemeinsames Anliegen zeigte sich ein Ausbau der Sprachkompetenz.
In den Wortmeldungen unterstrichen sowohl die Vertreter der kroatischen Gespanschaft Varaždin, Larisa Križan und Silvije Cvjetko, also auch der Referent für grenzhüberschreitende Zusammenarbeit der slowenischen Regierung, Primož Ilešič, und auch die Vertreterin der italienischen Region Friaul-Julisch-Venetien, Elisa Daffarra, die große Bedeutung des EU-Projektes "Matriosca", in dem - mit Unterstützung aus Interreg-Mitteln, ein Rahmen für künftige konkrete Arbeitsprogramme zwischen diesen Regionen ausgearbeitet wird (mehr unter www.matriosca.net). Harald Baloch von der Diözese Graz-Seckau wies auf die große Bedeutung von persönlichen Kontakten hin, nur so könne ein internationales Netzwerk funktionieren. Melita Cimerman vom Institut für Erwachsenenbildung der Volkshochschule Maribor zeigte aus slowenischer Sicht mögliche Kooperationsprojekte einer EUregion Steiermark-Slowenien. Landesamtsdirektor Gerhart Wielinger zog eine zufriedene Bilanz: In der Gegenwart gehe es nicht um eine Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern um gemeinsame Anliegen für die Zukunft.