Kultur und Religionen als Achse zwischen Steiermark und Rumänien
Hermannstadt/Sibiu folgt Graz als "Kulturhauptstadt 2007" und Ort der "3. Ökumenischen Versammlung"
"Wir erhoffen uns Aufschwung durch die EU!“

Rumänien wird voraussichtlich 2007 Mitglied der Europäischen Union. Welche Erwartungen, Hoffnungen und Ängste verbindet das Land mit dem bevorstehenden Beitritt? Auf Einladung von Welthaus, PRO ORIENTE und dem Ökumenischen Forum sprach der Erzbischof von Sibiu und Metropolit von Siebenbürgen, Dr. Laurentiu Streza, am 1. Februar 2006 im Grazer Meerscheinschlössel zu diesem Thema.
Die Veranstaltung, die im Rahmen des EU-Informationsprojektes ,EUGEM - EUropaGEMeinde Steiermark' mit Unterstützung der Europäischen Union stattfand, bot auch einen Anlass, die Achse zwischen der Steiermark und Rumänien darzustellen: Nach "Graz 2003" wird Siebenbürgens Hauptstadt Sibiu/Hermannstadt im Jahr 2007 zu Kulturhauptstadt Europas, nach der 2. Europäischen Ökumenischen Versammlung 1997 in Graz folgt das dritte solche kirchenübergreifende Treffen ebenfalls in Hermannstadt.
Ein Jahr vor diesen Eregnissen stellte Streza den Hintergrund dar: Die 45 Jahre herrschende kommunistische Ideologie habe versucht, die „Verbindung zum Himmel und die Verbindung zur Erde“ – durch Entwurzelung der Menschen und durch die Verstaatlichung des Eigentums - zu unterbinden, sagte Streza. Die politische Wende hätte die lang ersehnte Freiheit gebracht, aber: „Der Übergang von Unfreiheit zur totalen Freiheit darf nicht mit Schrankenlosigkeit verwechselt werden!“ Streza wies darauf hin, dass die rumänische Gesellschaft nun mit neuen Phänomenen konfrontiert sei: Arbeitslosigkeit, Armut, Zerfall der Familien. Auf diese Probleme sei die Kirche nicht vorbereitet gewesen, meinte der Metropolit.
Rumänien hege aufgrund dieser Erfahrungen große Erwartungen an die EU. Vom Beitritt erhoffe sich auch die kirchliche Leitung einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Lösung der hohen Arbeitslosigkeit, unterstrich er. „Rumänien betritt die EU nicht als ein Behinderter. Unser Land ist reich - sowohl spirituell als auch materiell“, betonte der Metropolit.
In einem Land wie Rumänien mit vielen Nationalitäten und Konfessionen müsse die Ökumene tagtäglich eine gelebte Realität sein. Man sei auf dem Weg „von einem Nebeneinander über ein Miteinander zu einem Füreinander“, fügte er hinzu: „Wenn man bedenkt, dass das erste Jahrtausend des Christentums das Jahrtausend der Einheit war und das zweite das der Trennung, so sollte das Dritte die Wiederherstellung der Einheit zum Ziel haben“, forderte der Erzbischof, aber: „ Dies sollte nicht wieder tausend Jahre dauern. Die Gläubigen drängen auf weitere Schritte, sie haben kein Verständnis für Probleme, die auf wissenschaftlich-theologischer Ebene gesucht, gefunden und verwaltet werden.“
Die Tatsache, dass Sibiu im kommenden Jahr Kulturhauptstadt Europas und auch Gastgeber der Ökumenische Versammlung sein wird, betrachtete Streza als "große Herausforderung für uns, aber gleichzeitig eine große Chance für das Miteinander in Europa!“
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Agnes Truger, Projektreferentin
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