Südosteuropa als Zielraum für steirische Unternehmen

Großer Andrang am 16. März im „Grand Café“ des Hotel Wiesler zum Auftakt der Südosteuropa-Akademie im Sommersemester 2006. Zahlreiche Unternehmer und Führungskräfte, die sich in Südosteuropa bereits engagieren oder derzeit ein Engagement überlegen, kamen zu der Veranstaltung, die im Rahmen des EuropeDirect-Informatiosnetzwerkes Steiermark gemeinsam mit der Universität Graz sowie dem Internationalisierungscenter Steiermark organisiert wurde. Seit November vergangenen Jahres wird nun einmal pro Monat abseits des Universitätsgebäudes von WissenschafterInnen und PraktikerInnen bei Podiumsrunden offen über die Zukunft Südosteuropas diskutiert.
Die Vizerektorin der Karl-Franzens-Universität, Roberta Maierhofer, betonte in ihrer Eröffnungsrede zunächst die Bedeutung des südosteuropäischen Raumes für die universitäre Forschungsarbeit, die sich schon alleine aus der geografischen Nähe ergebe. „Moderator“ und Landesrat a.D., Univ.Prof. Gerald Schöpfer nahm diesen Faden auf und erklärte, dass das Thema Südosteuropa vor allem auch für die steirische Wirtschaft interessant sei, da es praktisch „vor der Haustüre“ liege.
Demetrius Simitis, Geschäftsführer des Internationalisierungscenters Steiermark (ICS) unterstrich in diesem Zusammenhang auch das hohe Marktpotential, die großen Marktchancen und das Entwicklungspotential der Südosteuropa-Region als Vorteile für exportwillige Unternehmen. Gleichzeitig dürften aber keinesfalls die Risiken übersehen werden, mit denen heimische Wirtschaftsbetriebe gerade in diesem Raum konfrontiert würden, allen voran mangelnde Rechtssicherheit und Korruption.
Obwohl es also durchaus noch eine Reihe von Problemen zu bewältigen gilt, sind bereits jetzt zahlreiche heimische Unternehmen in Südosteuropa präsent. Immerhin stammen rund 3 Mrd. USD der Auslandsdirektinvestitionen in Kroatien aus Österreich, das sich damit im internationalen Ranking an erster Stelle befindet. Josef Pscheidl, Gründer der AVUS Group wagte den Schritt in die Nachbarregionen bereits in den 1960er-Jahren. Einen bedeutenden Vorteil gegenüber Unternehmen anderer Staaten sieht er darin, dass die Österreicher und insbesondere die Steirer die Mentalität in Südosteuropa verstehen können. Anhand der internationalen Schadensregulierung würde aber nicht nur deutlich, dass die Firmen von grenzüberschreitenden Wirtschaftsbeziehungen profitieren, sondern dass sich diese vor allem auch für die Kunden lohne. Durch die zunehmende Vereinheitlichung der Rechtsrahmen und das „internationale“ Know How der Mitarbeiter seien im Ausland bestehende Schadenersatzforderungen heute viel einfacher durchzusetzen als früher.
Auch die Vertreter der Christof Group, die unter anderem auch in Kroatien tätig ist, Goran Joveljic und Wolfgang Körner, stellten die Vorteile ihrer Auslandsaktivitäten in den Vordergrund. Zentral sei es zu erkennen, dass dadurch nicht nur im Ausland Arbeitsplätze geschaffen würden, sondern indirekt auch die Arbeitsplatzsicherheit im Inland erhöht würde: Nur wenn heimische Firmen die Vorteile ausländischer Standorte nützten, etwa ein niedrigeres Lohnniveau bei gleichzeitig hoher Qualifizierung der Arbeitnehmer, könnten diese heute wettbewerbsfähig bleiben. „Denn“, so Körner weiter, „Internationalisierung passiert mit oder ohne uns.“
Auch der kroatische Botschafter, Zoran Jašić sah diesen Trend als wegweisend. Besonders wichtig sei, Ausbildung, Forschung und Entwicklung bzw. „Mobilität“ zu fördern, um adäquat auf die Probleme der Globalisierung reagieren zu können. Gerade hierbei sei Kroatien aber leider noch im Rückstand, was der Wirtschaft beträchtlichen Schaden zufüge. Weiters sah Jašić einen schnellstmöglichen EU-Beitritt seines Landes als für die wirtschaftliche Etablierung Kroatiens unabdingbar und bedauerte die überwiegend negative Stimmungslage in dieser Frage innerhalb der Europäischen Union.
Der im Publikum anwesende Stephan Hochfellner, Leiter der Abteilung 14 – Wirtschaft und Innovation des Landes Steiermark, ortete ein weiteres zentrales Problem der kroatischen Wirtschaft, das in der zum Teil mangelhaften Kooperationsbereitschaft der Regierung liege. Dies zeige sich vor allem bei der Realisierung von „Public Private Partnership“-Projekten. Jašić zeigte sich hierbei jedoch optimistisch: Nicht der Wille zur Zusammenarbeit fehle der Regierung, sondern das entsprechende Know How. Er empfahl Hochfellner daher, mit konkreten Anliegen an die Regierung heranzutreten, die diese dann mit Sicherheit zu erfüllen bereit sei.
Mit diesem positiven Ausblick wurden die zahlreichen ZuhörerInnen von Gerald Schöpfer in den inoffiziellen Teil des Abends entlassen, wo angeregt weiterdiskutiert wurde.
Auf die nächste Veranstaltung der Südosteuropa-Akademie darf man auf alle Fälle gespannt sein. Diese findet am 27. April zum Thema „Technologie-, Forschungs- und Regionalpolitik in S-O-Europa“ statt. Mehr unter international.uni-graz.at/soe-akademie.
Daniela Fruhmann