Demokratie im Spiegel der Minderheitenpolitik
39. Internationales Minderheitenseminar im Europahaus Neumarkt

„Gemeinsam können wir es schaffen“ war ein Satz, der für das gesamte, sehr gelungene 39. Inter-nationale Minderheitenseminar im Europahaus Neumarkt gelten kann, das facettenreiche und neue Aspekte thematisierte, aber auch nachdenklich stimmte. Als Schwerpunkte dieses Minderheiten-seminars der Europäischen Föderalistischen Bewegung in Zusammenarbeit mit EuropeDirekt wurden die 30 Jahre Volksgruppengesetz in Österreich, die Zymbrische Minderheitengruppe in Italien, die Historische Entwicklung des Islams und der Muslime und die Problematik der Roma behandelt.
Zum Auftakt bot der Obmann der Banater Bergland Deutschen, Erwin Josef Tigla, einen Einblick in die bereits fünfzehnjährige Zusammenarbeit dieser sehr aktiven rumänischen Volksgruppe mit der EFB/Europahaus Neumarkt. Im Rahmen der Vereinstätigkeit erschien auch ein „Deutsches Jahrbuch für Rumänien 2006“, das Probleme und Hoffnungen im Zusammenhang mit dem geplanten EU-Beitritt anspricht.
30 Jahre Volksgruppengesetz in Österreich präsentierten einleitend fundiert, aber kritisch und nicht gerade als Erfolgsgeschichte, so Außenminister a. D. Dr. Willibald Pahr und Dr. Heinz Tichy, der Mitautor des Volksgruppengesetzes 1976, die bisherige Volksgruppenpolitik Österreichs.Roma oder Zigeuner sind es einzig und allein, die seit weit über einem halben Jahrtausend Europäer ohne Grenzen, Europäer einer grenzen-losen Freiheit sind. Gibt es etwas Gesamteuropäischeres als die Zigeuner? Roma und Zigeuner sind auch weniger ein nationales als ein regionales Problem. Sie werden zu einem Teil der EU-Bevölkerung, wenn Rumänien und Bulgarien der EU beitreten werden, genauso wie sie es bei den Slowaken, Ungarn, Slowenen oder Polen waren und wie sie es bei den Serben, Mazedoniern, Bosniern und Herzegowinern, Kroaten, Albanern oder Kosowaren sein werden. Doch quer durch Geschichte sind die Roma die großen Verlierer aller Zeiten. Jahrhunderte lang waren sie unterdrückt und rechtlos. In keinem Regime hat man sich sonderlich um sie bemüht, das erklärt ihren sozialökonomischen und teilweise kulturellen Rückstand, den häufigen Analphabetismus. Findige und wendige Interessenvertreter fehlen ihnen. Im Rahmen des Seminars wurde die Ausstellung „Volkskunst aus Rumänien“ von Bürgermeister Reinhardt Racz eröffnet. In dieser Ausstellung präsentieren sich kunstvoll, mit Nadeln gezeichnete Eier. Als Zeichen 15-jähriger Freundschaft und tiefer Verbundenheit mit dem Banater Bergland überreichte Erwin Tigla an den Europahaus-Chef Max Wratschgo, drei Straußeneier, bemalt von der bekannten Ikonenmalerin Maria Tudur. Verwöhnt wurden die Tagungsteilnehmer mit Spezialitäten aus dem Banater Bergland u.a. mit Krautwickel, gefüllte Weinblätter und Süßigkeiten, sowie rumänischem Wein. Die zymbrische Volksgruppe bot Käsespezialitäten an, begleitet von zymbrischer Musik. Konkurrenz im positiven Sinne machte ihr nur zwischenzeitlich die flotte Musik von vier jungen Roma, die auch durch ihre Musikinstrumente wie einer Milchkanne auffielen.Ein weiterer Höhepunkt des Minderheitenseminars, die Messandacht am Samstag Abend, die der Neumarkter Pfarrer, Pater Max aus St. Lambrecht, gemeinsam mit einem orthodoxen und einen reformierten Priester aus Rumänien feierte, wurde stimmungsvoll vom mehr als 20 Personen starken zymbrischen Chor mit zymbrischen Liedern musikalisch umrahmt; dies und das Vater-Unser in unterschiedlichen Sprachen gesprochen, sind ein bleibender Eindruck, gelebtes gemeinsames Europa!