Europa-Forum Neumarkt: Europäer werden europäischer
Offenherzige Diskussion und Standortbestimmung im Karl Brunner Europahaus


Das diesjährige Europa-Forum Neumarkt, das von 14. bis 16. Juli im Karl Brunner-Europahaus stattfand, war dem Thema "Die Krise der EU als Chance für neue Lösungen" gewidmet. Im Vordergrund: Eine Bilanz der österreichischen Präsidentschaft. Zahlreiche Diplomaten, leidenschaftliche Europapolitiker und Repräsentanten des öffentlichen Lebens trafen sich für drei Tage zu Fachgesprächen über Reformperspektiven für das Europa der 25 sowie die Erweiterung.
Hochgradige Referenten - von Heinrich Neisser als Präsident der Europäischen Bewergung Österreichs bis zu Außenminister a.D. Willibald Pahr - stellten ihre persönlichen Ansichten, Erfahrungen und Erwartungen dar. Auch zu Themen, die über den Tellerrand der Tagespolitik hinausreichen. So billigte der steirische Europaparlamentarier Reinhard Rack der Europäischen Verfassung mittelfristig durchaus Chancen zu, Andreas Schneider vom Außenministerium legte die schwierige, aber realisierbare künftige Finanzierung der erweiterten EU durchaus Chancen bei. Ein Höhepunkt der Veranstaltung: Max Wratschgo, der Bundesobmann der Europäischen Föderalistischen Bewegung erhielt von der Präsidentin der Stiftung Mérite Européen, Urlusla Braun-Moser, deren Höchste Auszeichnung in Gold überreicht.
Aus Sicht eines Praktikers in einem Bundesland zog der Leiter der Europa-Fachabteilung des Landes Steiermark, Ludwig Rader, eine Bilanz über die vergangenen sechs Monate Ratspräsidentschaft: Bei Anfragen und Anrufen - etwa in der steirischen Info-Stelle des EuropeDirect-Informationsnetzwerkes habe man durchaus ein gestiegenes Interesse der Bürger feststellen können, wenn auch nur in geringem Ausmaß. Dies deckt sich im Umfragen, in denen viele ÖsterreicherInnen ihr Europa-Wissen überdurchschnittlich gut einschätzen, dennoch aber in Sachfragen Vorurteile mit Fakten verwechseln. Rader: "Wir haben deshalb begonnen, Europawissen vor Ort anzubieten, in allen steirischen Bezirkshauptmannschaften und auch in Gemeindeämtern; sie liegen den Bürgern am nächsten und genießen das größte Vertrauen."