Steiermark als Vorbild für Region Nachitschevan in Aserbaidschan




Das umfangreiche Netzwerk an Außenbeziehungen zu anderen Regionen Europas war ausschlaggebend dafür, dass eine hochrangige Delegation aus Aserbaidschans Autonomer Republik Nachitschevan drei Tage lang zu einer Studienreise in die Steiermark kam, um Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit – eventuell im Rahmen eines EU-Nachbarschafts-Projektes zu sondieren. „Wir freuen uns, zur Verständigung der Völker Erfahrungen auszutauschen“, unterstrich Landeshauptmann Mag. Franz Voves die Kooperationsbereitschaft. Der Präsident Nachitschevans, Vasif Talibov, der bei diesem überhaupt ersten Besuch einer Delegation seines Landes in einer Region Mitteleuropas großes Interesse für das Bildungssystem genauso wie für Sport und Tourismus bekundet hatte, zeigte sich zum Abschluss beeindruckt: „Es ist enorm, was sowohl die staatliche Verwaltung als auch private Unternehmern leisten können“, betonte er. Sowohl die Republik Nachitschevan als auch das Land Steiermark werden nun überprüfen, ob im Rahmen des Europäischen Nachbarschafts- und Partnerschafts-Instruments ein EU-Projekt realisiert werden kann, zumal in Kürze auch die regionale Zusammenarbeit durch Finanzmittel der Europäischen Union unterstützt wird und diese direkte Kooperation auch zum Ausbau der Verwaltungsstrukturen, der Demokratie und der Menschenrechte in Aserbaidschan beitragen soll.
Die Republik Nachitschevan – der Legende und auch der Bedeutung ihres Namens zufolge jenes Land, wo Noah mit seiner Arche hinter dem nun in der Türkei liegenden Berg Ararat gelandet sei – ist als Exklave nicht mit dem übrigen Aserbaidschan verbunden. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Beginn des kriegerischen Konflikts mit dem Nachbarstaat Armenien ist diese Region wirtschaftlich isoliert; nur langsam werden Verbindungen nach Iran und in die Türkei geschaffen. Präsident Talibov, der als Historiker im Bildungswesen tätig war, bemüht sich für einen Ausbau eines modernen Schulsystems genauso wie für Initiativen in der Wirtschaft und im Tourismus.
„Wir haben hier wertvolle Anregungen erhalten“, zog er im Gespräch mit Landeshauptmann Voves ein Resümee. Eine davon: Die bäuerliche Direktvermarktung und die gesetzliche Erlaubnis zum Betrieb von Buschenschanken, wie er es beim Bürgermeister und Kernöl-Bauern Gernot Becwar im weststeirischen Rassach erlebt hatte: „Ein solches Gesetz werden wir für unseren Bauern auch schaffen,“ erklärte er. Realistischer gab er sich nach dem Besuch der Heiltherme Waltersdorf, die den Anstoß für jährlich 370.000 Übernachtungen in insgesamt 3000 Gästebetten in der Region gegeben hat: Die Investitionen dafür – nämlich deutlich mehr als 100 Millionen Euro – werden in Nachitschevan nicht so schnell zu verwirklichen sein.
Einen breiten Einblick in den Aufbau der Verwaltung gaben der Delegation schließlich Fachleute der Landesverwaltung, der Steiermark-Tourismus, der Universität und des Landesschulrates genauso wie auch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, der den Präsidenten zu einer Eintragung in das Goldene Buch der Landeshauptstadt empfing und aus Sicht der „Menschenrechts-Stadt“ Graz anmerkte: „Wir sind in der Verwaltung gerne bereit, zum Aufbau der demokratischen Strukturen beizutragen“.








