Wirtschaftsdelegation aus Aserbaidschan auf Steiermark-Besuch
Großes Interesse für Bergbau, Autocluster und Umweltschutz

Eine hochrangige Delegation aus Aserbaidschan mit Wirtschaftsminister Heydar Babayev und sechs stellvertretenden Ministern an der Spitze besuchte dieser Tage (9.5.2008) die Steiermark, um Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Bergbau und Ölgewinnung genauso zu sondieren wie die Zusammenarbeit bei Erneuerbarer Energie, im Gesundheitsbereich und im Umweltschutz. Die Delegation wurde von Landtagspräsident Siegfried Schrittwieser empfangen. Ein Arbeitsgespräch im Rittersaal des Landhauses bildete den Höhepunkt der zweitägigen Steiermark-Visite, in deren Rahmen ausgewählte Unternehmen besichtigt wurden. Anlass für den Besuch hatte die Tagung der Österreichisch-Aserbaidschanischen Gemischten wirtschaftlichen Regierungskommission gebildet, die zuvor in Wien stattgefunden hatte.
Aserbaidschan, das seit 1989 wieder unabhängig ist, wird einerseits durch die Realisierung der Nabucco-Gas-Pipelinenoch näher aneinanderrücken, andererseits sucht das Kaukasus-Land auch andere Kooperationsmöglichkeiten: Trotz der eigenen Öl- und Gasressourcen zeigte sich Minister Babayev sehr interessiert an der Nutzung erneuerbarer Energien. Österreichische Technologie wurde insbesondere bezüglich der Errichtung von Kleinwasserkraftwerken und Biomasse- bzw. Biogasanlagen angesprochen. Diesbezügliche Projekte könnten in Realisierung des Clean-Development-Mechanismus des Kyoto-Protokolls durch heimische Unternehmen realisiert werden, unterstrich der Minister sowohl bei seinem Treffen mit Wirtschaftsminister Bartenstein in Wien als auch bei dem Arbeitsgespräch in Graz, das die Fachabteilung Europa und Außenbeziehungen organisiert hatte.
Mit der Delegation waren hochrangige Vertreter des Staates Aserbaidschan nach Graz gereist: So wollten sich sowohl die Stellvertretretenden Minister Khalaf Khalafov (Auswärtige Angelegenheiten), İlqar Fatizada (Finanzen), Bakhram Aliyev (Landwirtschaft), Gulmammad Javadov (Industrie und Energie), Sanan Karimov (Gesundheit), İntiqam Babayev (Jugend und Sport) über die Steiermark informieren als auch der Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Arif Gashimov und der Stellvertretende Vorsitzende der Nationalbank, Rufat Aslanli. Die Delegation wurde vom Botschafter Aserbaidschans in Österreich, Fuad Ismayilov, sowie einer Reihe höchstrangiger Beamter aus Baku begleitet.
Seitens des Landes Steiermark standen als kompetente Gesprächspartner auch der Geschäftsführer des "Internationalsierungscenter Steiermark", Karl-Heinz Dernoscheg und der Leiter der Fachabteilung Europa und Außenbeziehungen, Hofrat Ludwig Rader, Landtagsdirektor Heinz Drobesch sowie vor allem auch die Osteuropa-Referentin des Landes, Eva Zöberer Brandner zur Verfügung. Auf nationaler Ebene wurde die Delegation vom Generaldirektor für Außenwirtschaftsbeziehungen im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Ministerialrat Johann M. Sachs betreut, der auch Co-Vorsitzender der Österreichisch-Aserbaidschaninschn Gemischten Kommission ist.
Nach den vorläufigen Daten der Außenhandelsstatistik 2007 hielt das bilaterale Handelsvolumen zwischen Österreich und Aserbaidschan im Vorjahr den zuvor erzielten Höchstwert von knapp 55 Millionen Euro, obwohl Energiebezüge Österreichs zurückgegangen waren. Die österreichischen Exporte konnten dabei mit einer Steigerung von nahezu 60 Prozent einen Wert von 41,3 Millionen Euro erreichen. Österreichische Unternehmen engagieren sich in Aserbaidschan unter anderem in den Bereichen Energie, Abfallwirtschaft und Krankenhausmanagement. In der Steiermark wird das Internationalisierungscenter ICS das neue Interesse aus dem Kaukasus an steirische Betriebe weiterleiten und diese bei möglichen Kontakten nach Baku unterstützen.