Polen will nur kurz EU-Nettoempfänger sein
Grosses Interesse am Besuch des polnischen Botschafters in der Grazer Burg

Graz.- Der Weiße Saal der Grazer Burg platzte gestern Abend aus allen Nähten: Der Vortrag des polnischen Botschafters Mag. Marek Jedrys über Perspektiven für die Zusammenarbeit Polens und Österreichs stieß bei den Steirerinnen und Steirern auf reges Interesse. Jedrys enttäuschte seine Zuhörer nicht. „Wir wollen die Vorteile, die uns die EU bietet, so gut wie möglich nutzen, um 50 Jahre Fremdherrschaft und Misswirtschaft auszugleichen. Aber wir wollen auch einen originär polnischen Beitrag zum europäischen Projekt leisten und nur so kurz wie möglich Nettoempfänger sein,“ vermittelte der polnische Botschafter Selbstbewusstsein des jungen EU-Partners und die dort herrschende Aufbruchsstimmung. Das Bruttoinlandsprodukt Polens gehöre zu den am stärksten wachsenden in Europa. Durch den Wegfall der Zölle konnten die polnischen Exporte bedeutend gesteigert werden. In diesem Zusammenhang bedauerte Jedrys, dass Österreich erst am 15. Platz der polnischen Handelspartner aufscheint. „Die österreich-polnischen Beziehungen sind ausbaufähig“, so Jedrys, der das engmaschige Netzwerk mit der Steiermark lobend hervorhob.
Auffallend breiten Raum widmete Jedrys der EU-Erweiterungspolitik. Er mahnte von der EU eine weitaus aktivere Politik gegenüber EU-Nachbarn ein, selbst wenn deren Mitgliedschaft noch in weiter Ferne liegen sollte. Polen unterstütze die Annäherung der Ukraine an die EU und hoffe, dass die EU eine Antwort findet, die der historischen Tragweite dieser Entwicklung entspreche.
Wirtschaftslandesrat Univ. Prof. DDr. Gerald Schöpfer unterstrich in seinem Statement, dass die Steiermark bereits mit acht von insgesamt 16 Wojewodschaften (Bundesländer in Polen) Kooperationsverträge abgeschlossen hat und es in diesem großen Wirtschaftsraum viele Chancen für steirische bzw. österreichische Unternehmen gebe. 1000 österreichische Firmen seien bereits in Polen vertreten.
Botschafter Marek Jedrys dankte abschließend seiner Gastgeberin Landeshauptmann Waldtraud Klasnic für die Vorreiterrolle, die die Steiermark in den polnisch-österreichischen Beziehungen einnimmt. „Die steirischen Verantwortlichen zeigen hier persönliches Engagement und europäische Weitsicht.“ Besonders herzlich fiel der Dank an den Honorarkonsul der Republik Polen, den früheren Landesamtsdirektor Dr. Gerold Ortner, aus. Polen habe in Ortner einen richtigen Botschafter in der Steiermark.
Graz, am 1. März 2005
Zum Download : Manuskript des Vortrages
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