EU-Energie-Diskussion: Europa in der Zwickmühle
Zweite Veranstaltung der Diskussionsreihe "EU-(k)Ein Ungeheuer"


Graz [23.1.2009] - Das Thema des zweiten Diskussionsabends der Initiative "EU - (k)Ein Ungeheuer" erhielt aufgrund der derzeitigen Gaskrise und der damit ins Rollen gebrachten Debatte über die Atomkraft größte Aktualität und Brisanz: Unter dem Titel "Ich bin gespalten! - EU-Energie- und Umweltpolitik am Scheideweg" diskutierten gestern Abend im Medienzentrum Steiermark Politiker und Experten mit zahlreichen Gästen über Gefahren, Abhängigkeiten aber auch über die Möglichkeiten eine drohende Energiekrise abzuwenden.
Mit der insgesamt sechsteiligen Serie von Jugendworkshops und Podiumsdiskussionen will das FORUM politische Bildung Steiermark in Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark und weiteren Partnern, den steirischen Wählern eine Entscheidungshilfe für die Europäischen Parlamentswahlen im Juni 2009 anbieten.
Großer Andrang beim Jugend-Workshop
Um den Jugendlichen eine eigene Plattform zu bieten, fand vor der öffentlichen Diskussionsveranstaltung ein Workshop mit Politikern und Experten statt. Schüler aus der ganzen Steiermark diskutierten mit Mag. Andrea Pavlovec-Meixner (Die Grünen), Mag. Gerhard Mariacher (FPÖ), Ernst Gödl (ÖVP), Franz Stefan Parteder (KPÖ) sowie den ExpertInnen Wolfgang Jilek (Energiebeauftragter des Landes Steiermark) und Jurrien Westerhof (Greenpeace). Zudem verfolgten zahlreiche Internetuser die Veranstaltung über Web-TV (www.europa.steiermark.at/stream) und nahmen via Chat aktiv an der Diskussion Teil.
Erneuerbare Energie
Laut Ernst Gödl werde die nächste große Krise dieses Jahrhunderts die Energiekrise sein. Wolfgang Jilek forderte ein neues Bewusstsein bezüglich des Umgangs mit Energie. Die Basis für erneuerbare Energie sei zwar vorhanden, aber das nütze nichts, wenn die Menschen ihren Energieverbrauch nicht senken. "Im Jahr 2050 dürfen wir im Vergleich zu heute nur mehr 50% der Energie verbrauchen." In diesem Punkt seien sich sowohl Umweltschutzorganisationen als auch Ölkonzerne (OMV) einig.
Braucht Österreich Energie von außen?
Auf die Frage aus dem Publikum, wie abhängig wir Österreicher denn von Energie aus dem Ausland seien, antwortete Wolfgang Jilek, dass Österreich schlimm dran wäre, wenn es auf sich alleine gestellt wäre. "Etwa dreiviertel der Energie kommt aus dem Ausland. Ohne diese Zufuhr könnten wir nicht länger als drei Monate durchhalten."
Gerhard Mariacher von der FPÖ warnte zudem vor einer zu großen Abhängigkeit von ausländischem Strom und verwies auf die türkische Pipeline, die bei den Beitrittsverhandlungen zur EU von der türkischen Regierung als Druckmittel eingesetzt werde. Ebenfalls sprach sich Mariacher für die stärkere Nutzung der heimischen Flüsse zur Energiegewinnung aus, wie zum Beispiel durch die geplanten Wasserkraftwerke rund um Graz (Gössendorf, Kalsdorf), mit einem Seitenhieb auf die Grünen, die sich gegen die Kraftwerke in den Murauen aussprechen.
Atomstrom ist keine Lösung
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darüber, dass Atomstrom nicht die Energiequelle der Zukunft sein kann. Vor allem das Problem der Endlagerung von Atommüll wurde immer wieder in den Raum gestellt. Jurrien Westerhof sah darin vor allem ein moralisches Problem: "Wir müssen an unsere Nachfahren denken und dürfen keinen Müll produzieren, den man in tausenden von Jahren nicht mehr los wird. Es gibt keine Endlager für Atommüll!" Außerdem seien die Uranvorräte begrenzt, so dass man auch hier - wie bei Erdöl und Gas - in einigen Jahrzehnten auf dem Trockenen sitzen wird.
Die Rolle der EU sahen die anwesenden Politiker sehr unterschiedlich. KPÖ-Vertreter Parteder beschuldigte die EU, mehr Geld für die Atomenergie als für die Forschung an alternativen Energieformen auszugeben. Er forderte, dass Österreich aus der EURATOM (Europäische Atomgemeinschaft) austreten solle, da diese die Energiegewinnung aus Atomkraft weiter forcieren wolle. Gödl konterte, dass es besser sei mitreden zu können, als bloß zuzusehen und dass der Grossteil der EURATOM-Gelder in neue Sicherheitsmaßnahmen für die Atomkraftwerke fließe.
Jeder muss etwas beitragen
So unterschiedlich die Positionen zur Rolle der EU auch waren, so einig war man sich, dass jeder einzelne seine Gewohnheiten ändern müsse, um eine Energiekrise zu verhindern, die die aktuelle Finanzkrise in den Schatten stellen könnte. Dass Solarkollektoren auf Hausdächern ein Selbstverständlichkeit werden, wie von Wolfgang Jilek gefordert, wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung, doch viele weitere werden noch nötig sein.
Text: Medienteam der FH JOANNEUM
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