Café Europa diskutierte über Serbien



Psychologie eines Nachkriegslandes
Ein sensibles Thema der südosteuropäischen Zeitgeschichte, nämlich das der Psychologie des Nachkriegslandes Serbien, wurde gestern im Pressezentrum der Steiermärkischen Landesregierung im Rahmen der Sendereihe „Cafe Europa" eindrucksvoll abgehandelt. Die angesehenen Experten, Professor Florian Bieber, von der Karl Franzens Universität sowie der international tätige Journalist und Südosteuropaexperte, Norbert Mappes- Niediek, diskutierten mit der serbischen Autorin Barbara Markovic´ psychologische Hintergründe der Republik Serbien.
Markovic´ nahm gleich eingangs die Fehler der Politiker, die unmittelbar nach dem Kriegsende aus ihrer Sicht begangen wurden unter die Lupe indem sie meinte, dass man keine klare Politik nach Milosevic´ insbesondere in der Kosovo-Frage verfolgte und auch keine eindeutige Politik gegenüber der Europäischen Union formulierte.
Dass die orthodoxe Kirche nach wie vor eine große Rolle in der serbischen politischen Landschaft spiele, dürfe keinesfalls außer Acht gelassen und unterschätzt werden, führte Markovic´, die seit 7 Jahren in Österreich lebt, zudem aus. An der Politik ihrer Heimat konnte die Autorin nichts Gutes finden und kritisierte dabei insbesondere die Unbeweglichkeit und den spürbaren Stillstand sowie den bedenklichen Umgang mit Minderheiten auf allen Ebenen.
Bieber machte deutlich, dass es aus seiner Sicht eher unwahrscheinlich sei, dass Serbien der Beitritt zur EU ermöglicht würde, solange der Kosovo nicht als eigenständiger Staat von Seiten der Serben anerkannt sei. Mit dem gegenwärtig gültigen Kosovo- Abkommen sei keine Anerkennung vollzogen worden, wenngleich es einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Entspannung bedeute. Serbien sei ein Staat wider Willen, so der Südosteuropa Experte, weil sich die übrigen Staaten abgelöst hätten. Serbien strebe offensichtlich nach einer fundierten Perspektive für die Zukunft mit der EU, worin ein wesentlicher Grund für das erreichte Abkommen zu finden sei, war da ferner zu hören.
Mappes- Niediek analysierte sehr treffend, dass unterschiedliche Nationalisten- Gruppen in Serbien existierten und dass diese Tatsache mit dauerhaften Phantomschmerzen verbunden sein könnte. Auch wies er darauf hin, dass es nun die alten Eliten schaffen würden, Frieden zu schaffen, was man sich eigentlich von den Nachkriegspolitikern erwarten hätte können.
Ferdinand Krainer
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